Kandidaten gewinnen, Wahlbeteiligung erhöhen: Das können Sie als Betriebsrat tun

Die Vorbereitung und Durchführung der Betriebsratswahl ist allein Aufgabe des Wahlvorstands. Doch auch Sie als amtierender Betriebsrat können viel dafür tun, dass die nächste BR-Wahl erfolgreich wird. Denn eine Betriebsratswahl ist kein „Selbstläufer“. Damit die nächste Amtszeit auf einem guten Fundament beginnt, braucht es sowohl eine hohe Wahlbeteiligung als auch geeignete Kandidaten. Was können Sie als Betriebsrat dafür tun, Rückhalt in der Belegschaft zu gewinnen und Nachwuchs zu mobilisieren? Anregungen und Tipps für Ihre Öffentlichkeitsarbeit und Werbemöglichkeiten als Betriebsrat finden Sie in diesem Artikel.

Wahlbeteiligung unter den Arbeitnehmern erhöhen

Eine hohe Wahlbeteiligung zeugt von einem großen Rückhalt bei den Beschäftigten im Betrieb und erhöht die Legitimation der Interessenvertretung. Eine gute Rückendeckung und ein sicherer Stand bei den Kollegen erleichtern die späteren Verhandlungen mit dem Arbeitgeber erheblich. Daher lohnt es sich, um jede Stimme zu kämpfen und möglichst alle Kollegen von der Wichtigkeit eines Betriebsrats zu überzeugen. Denn wer seinen Wunschkandidaten selbst vorschlagen kann und durch seine Stimme das Ergebnis der Wahl mitbestimmt, der wird in den folgenden Jahren, den Betriebsrat als „sein“ Gremium ansehen.

Wie begeistern Sie die Belegschaft vor der Betriebsratswahl?

Im Vordergrund steht dabei, die Kollegen über die Aufgaben, Ziele und Erfolge des Betriebsrats zu informieren und sie so zur Wahlteilnahme zu motivieren. Was haben Sie bereits für die Belegschaft erreicht? Für welche wichtigen Rechte der Arbeitnehmer setzen Sie sich im Betriebsrat ein? Klären Sie die Kollegen auf über das, was Sie für sie tun! Die Möglichkeiten für eine gelungene Öffentlichkeitsarbeit sind dabei vielfältig – nutzen Sie die Kommunikationskanäle, die Ihnen zur Verfügung stehen:

  • Aushänge am schwarzen Brett
  • Flyer
  • Newsletter des Betriebsrats
  • Intranet
  • Betriebsversammlung
  • Persönliche Gespräche 

Und vergessen Sie nicht, auch die Termine zur Wahl zu kommunizieren. Zwar ist der Erlass des Wahlausschreibens mit allen Fristen und Details zur Wahl Aufgabe des Wahlvorstands, aber als Betriebsrat können Sie an wichtige Termine erinnern und zur Teilnahme an der Wahl aufrufen.

Mindestens genauso wichtig ist die offensive Werbung um Kandidaten. Denn lassen sich keine Kollegen finden, die sich für das Betriebsratsamt zur Verfügung stellen, droht eine betriebsratslose Zeit, in der die Interessen der Beschäftigten leicht auf der Strecke bleiben.

Kandidaten für die Betriebsratswahl gewinnen

Natürlich gibt es Betriebsratsgremien, die sich um die Gewinnung von Kandidaten für die nächste Betriebsratswahl nicht kümmern müssen – sei es, weil sie genug engagierte Mitglieder haben, die wieder kandidieren werden, sei es, weil sie durch eine Gewerkschaft oder eine Listenverbindung „versorgt“ sind. Doch dies ist nicht in allen Betrieben der Fall. Und selbst wenn Sie genügend „Oldtimer“ haben, die sich zur Wiederwahl aufstellen lassen wollen, bietet die Gewinnung von neuen Kandidaten zahlreiche Chancen: 

  • Junge Mitglieder sorgen dafür, dass die Interessenvertretung im Betrieb eine lange Zukunft hat (Stichwort: Spiegelbild der betrieblichen Altersstruktur)
  • Eine große Anzahl an Kandidaten sichert eine ausreichende Zahl an Ersatzmitgliedern
  • Neue Mitglieder versprechen neue Ideen (Stichwort: frischer Wind)

Hinweis:

Besonders in Betrieben, in denen im Laufe einer Wahlperiode immer wieder Betriebsratsmitglieder ausscheiden, etwa wegen befristeter Arbeitsverträge oder hoher Fluktuation, werden ausreichend viele Ersatzmitglieder benötigt, damit der Betriebsrat eine volle Amtszeit bestehen kann. Denn ein Betriebsrat muss während der laufenden Amtsperiode neu gewählt werden, wenn seine Gesamtzahl nach Eintreten sämtlicher Ersatzmitglieder unter die vorgeschriebene Zahl der Betriebsratsmitglieder sinkt (vgl. § 13 Abs. 2 BetrVG). 
 

Wie motivieren Sie Kollegen, Wahlbewerber zu werden?

Auch hier ist eine funktionierende Öffentlichkeitsarbeit wichtig. Die Kandidatengewinnung gelingt leichter in Betrieben, in denen der Betriebsrat über ein gutes Image verfügt und seine Arbeit im Betrieb anerkannt ist. Denn hier liegen die Argumente, selbst „für eine gute Sache“ aktiv zu werden, auf der Hand. Doch auch wenn das Image Ihres Betriebsrats noch Luft nach oben hat, können Sie Kollegen durch eine Informationskampagne zur Kandidatur motivieren. 

Nutzen Sie dazu die Medien, die Sie bereits für Ihre Öffentlichkeitsarbeit einsetzen, etwa eine Betriebsratszeitschrift, das Intranet oder das schwarze Brett. Am erfolgversprechendsten sind oft solche Medien, die eine direkte Ansprache ermöglichen. In einem persönlichen Gespräch können Sie zum Beispiel sowohl sachliche Argumente für eine Kandidatur vorbringen, als auch Ihre eigenen Erfahrungen schildern. Vor allem können Sie hier Ihre persönliche Überzeugungskraft einsetzen. 

Gut geeignet sind auch Medien, mit denen Sie anschaulich an die Beschäftigten herantreten können. Hierzu zählen insbesondere Flugblätter und Plakate. E-Mails bieten den Vorteil, dass Sie die Kollegen schnell und einfach erreichen können.

Wecken Sie die Neugierde Ihrer Kollegen!

Wenn Sie Flugblätter oder Plakate zur Gewinnung von Wahlbewerbern einsetzen, achten Sie auf eine ansprechende Gestaltung der Informationen. Mit einer Grafik oder einem Foto und einem gut aufgemachten Text erregen Sie Aufmerksamkeit und wecken die Neugierde der Belegschaft. Gestalten Sie für die Wahl ein eigenes Layout, das Sie für jede Mitteilung im Zusammenhang mit der Wahl verwenden. So ist eine Wiedererkennung garantiert. Ein Muster für ein Wahlplakat finden Sie in unseren Wahlhilfen.

Bei eher textlastigen Medien wie z. B. einer E-Mail ist es wichtig, die Kollegen zum Weiterlesen zu motivieren – durch einen knackigen Betreff, der Lust auf den Inhalt macht. Achten Sie außerdem in allen Texten darauf, die passende Sprache zu verwenden. Dies beginnt mit der Anrede („Du“ oder „Sie“) und endet mit der Verwendung sprachlicher Besonderheiten, die in Ihrem Betrieb üblich sind. Die Kollegen sollen sich von Ihrem Text angesprochen fühlen. 

Ideen für Slogans und Inhalte einer BR-Wahl Werbung

Denken Sie zurück an Ihre eigene erste Kandidatur – was hat Sie selbst bewegt, für den Betriebsrat zu kandidieren? Ein paar Ideen für Überschriften oder Slogans und Inhalte für Ihre Werbung finden Sie hier:

Überschriften und Slogans:

  • Ich arbeite gut – besser mit Betriebsrat!
  • Sie wollen mitreden? Kommen Sie zu uns!
  • Selbst mitmachen – die Chance, etwas zu verändern!
  • Sind Sie auch neugierig? Betriebsräte wissen Bescheid!
  • Mitgestalten, was im Betrieb läuft: als Mitglied im Betriebsrat!
  • Sie haben was zu sagen? Betriebsräte reden mit!
  • Überstunden über Überstunden? Kontrollieren Sie doch mit!

Weitere Inhalte:

  • Mitarbeit im Betriebsrat bedeutet, immer bestens informiert zu sein.
  • Wenn Sie schon mal das Gefühl hatten, dass der Betriebsrat Ihre Interessen nicht vertritt: Selbst mitmachen bietet die Chance, das zu ändern!
  • Erfolgreiches Arbeiten im Team, der Dialog mit Beschäftigten sowie Verhandlungen mit der Geschäftsführung erweitern den eigenen Horizont und machen selbstbewusst.
  • Sind Ihnen
    • die Gestaltung des Arbeitsplatzes
    • soziale Arbeitsbedingungen
    • Schutz bei Rationalisierung
    • Schutz bei betriebsbedingten Entlassungen
    • Schutz bei Kündigungen

wichtig? Dann kandidieren auch Sie für den Betriebsrat!

Gute Argumente zählen: Warum für das Betriebsratsamt kandidieren?

Die schönste Gestaltung des Werbemittels und das schrillste Layout können zwar Aufmerksamkeit erregen, müssen aber nicht zwangsläufig überzeugen. Hier müssen Argumente her! Warum also kandidieren? Hier kommt es sehr auf die jeweilige Situation in Ihrem Betrieb und die Einstellung Ihrer Kollegen an. Es gibt allerdings Argumente, die immer vorgebracht werden können: 

  • Mitbestimmung und Mitgestaltung: Die Betriebsratsarbeit bietet die Möglichkeit, im eigenen Umfeld gestalten und mitbestimmen zu können. Dies bedeutet auch, sich nicht alles gefallen lassen zu müssen, bis in die eigene Tätigkeit hinein (z. B. Arbeitszeit, Personalplanung).
  • Information: Im Betriebsrat ist man immer gut informiert und auf dem Laufenden.
  • Abwechslung: Betriebsratsarbeit ist abwechslungsreich; sie bedeutet Zusammenarbeit mit interessanten Menschen und ständige Kommunikation mit vielen Kollegen.
  • Betriebsratsarbeit bildet: Es besteht die Möglichkeit zu Fortbildungen in zahlreichen Themenbereichen, welche die Betriebsratsarbeit beinhaltet.
  • Eigene Weiterentwicklung: Neue Herausforderungen in verschiedenen Situationen bieten die Chance, sich kommunikativ weiter zu entwickeln und das Selbstbewusstsein zu stärken.
  • Besonderer Kündigungsschutz: Der besondere Kündigungsschutz von Betriebsratsmitgliedern ist sicher nicht das edelste, aber ein nicht zu unterschätzendes Argument.

Achtung:

Wenn Sie als Betriebsrat gleichzeitig auch Mitglied im Wahlvorstand sind, dann müssen Sie bei Ihrer Werbung für die Betriebsratsarbeit etwas vorsichtiger sein. Denn als Wahlvorstand sind Sie strikt zur Neutralität verpflichtet und sollten nichts tun, was als Bevorzugung einzelner Gruppen ausgelegt werden könnte. Was aber immer möglich ist, ist der allgemeine Aufruf, sich im Rahmen der Betriebsratswahl zu engagieren – egal, ob „nur“ durch die eigene Stimmabgabe (Wahlbeteiligung), oder auch durch eine eigene Kandidatur für das Amt des Betriebsrats.

Die Bestellung des Wahlvorstands bei der Betriebsratswahl

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