11 Tipps für Ihren Wahlkampf um das Betriebsratsamt

Wie gewinnen Sie Wählerstimmen? Wie überzeugen Sie Ihre Kollegen vor der Betriebsratswahl, dass Sie als Kandidat für das Amt des Betriebsrats geeignet sind, um Ihre Interessen zu vertreten – dass Ihre Liste die Beste ist? Und was können Sie als amtierender Betriebsrat tun, um wiedergewählt zu werden? In diesem Artikel finden Sie hilfreiche Tipps und Strategien für Ihren Wahlkampf zur BR-Wahl!

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Das Wahlprogramm: Positionieren Sie sich!

Welche Themen wollen Sie als Betriebsrat vor allem angehen? Was möchten Sie im Unternehmen für die Belegschaft erreichen? Ihr Programm – Ihre Ziele – sind oft ausschlaggebend, wenn Sie die Kollegen von sich als Kandidat (oder von Ihrer Liste) für die Betriebsratswahl überzeugen wollen. Kann sich die Belegschaft mit Ihrer Agenda identifizieren? Sprechen Sie genau die Probleme an, die schon lange im Betrieb schwelen? 

Überlegen Sie sich zunächst, welche Themen Ihnen selbst wichtig sind. Holen Sie sich dann aber auch Rückmeldung aus der Belegschaft – zum Beispiel durch eine Umfrage im Intranet. Wenn Sie mit anderen Kandidaten für das Betriebsratsamt auf einem gemeinsamen Wahlvorschlag stehen, dann einigen Sie sich am besten schon im Vorfeld auf Ihre Ziele für die neue Amtsperiode und Ihre Kernthemen. 

Verzetteln Sie sich dabei aber nicht. Ihr Programm für Ihre Betriebsratsarbeit sollte für die Belegschaft im Betrieb leicht zu verstehen sein und überschaubar bleiben. 

2

Denken Sie auch an Randgruppen!

Sie können sich die Stimmen von Minderheiten im Betrieb sichern, wenn Sie diese in Ihren Themen mitberücksichtigen. Zum Beispiel sind Qualifizierung und Weiterbildung jungen Kollegen oft besonders wichtig, während die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie immer noch für viele Frauen ein zentrales Thema ist.

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Der Steckbrief: Stellen Sie sich als Kandidat im Betrieb vor!

Ihr Programm steht. Nun sollten Sie dafür sorgen, dass auch Ihre Kollegen wissen, für was Sie stehen! Machen Sie sich – oder Ihre Liste – im Betrieb bekannt. Dafür eignet sich zum Beispiel ein Steckbrief oder ein Wahlplakat mit aussagekräftigen Slogans, das Sie am schwarzen Brett aushängen oder als Flyer verteilen. Auf einem Steckbrief mit ansprechendem Portraitfoto können Sie sich gezielt vorstellen und den Wählern alle wichtigen Informationen auf einen Blick geben:

  • wie Sie heißen
  • zu welcher Abteilung Sie gehören
  • was Sie im Betrieb machen
  • seit wann Sie zum Unternehmen gehören
  • ob Sie Mitglied in einer Gewerkschaft sind
  • welche Ziele Sie als Betriebsratskandidat verfolgen.

Denkbar ist aber auch – zum Beispiel bei einer Listenwahl – dass Sie statt der einzelnen Kandidaten die Themen Ihres Wahlvorschlags in den Vordergrund stellen. 

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Das Wahlplakat: Klappern Sie kräftig!

Schnell ein Foto aus dem letzten Urlaub herausgesucht, ein paar Zeilen dazu schreiben und in ein Word-Dokument klatschen? Damit ist es nicht getan, wenn Sie mit Ihrer Kandidatur herausstechen  möchten. Eine professionell gestaltete Vorlage für ein attraktives Wahlplakat finden Sie in unseren Downloads. Vielleicht möchten Sie aber auch selbst kreativ werden? Dann denken Sie bei der Gestaltung an

  • ansprechende Schrift in geeigneter Größe, um auch aus der Ferne lesbar zu sein
  • ein gut belichtetes Foto ohne zu große Hell-Dunkel-Kontraste
  • die richtige Gewichtung von Inhalten: Was interessiert Ihre Wähler am meisten?
  • Ihre Agenda, Ihr Slogan sollte hervorstechen!
  • dass Ihr Plakat nicht zu überladen wird. Weniger ist manchmal mehr.

Gestalten Sie sich Ihr Wahlplakat kostenfrei selbst in unserem Wahlplakate-Shop.

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Der Wahlslogan: Den richtigen Spruch finden

Was auf Ihrem Wahlplakat steht, hängt natürlich vor allem von Ihrem Programm ab. Welche Themen sind Ihnen besonders wichtig? Formulieren Sie das, was Ihnen am Herzen liegt, in einem knappen Satz. Entwickeln Sie dann im zweiten Schritt einen passenden Slogan. Idealerweise sollte dieser aktiv und positiv formuliert sein.

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Die Kommunikation: Mehrere Kanäle nutzen

Ihr Wahlplakat sorgt für Aufmerksamkeit, doch belassen Sie es nicht nur dabei. Nutzen Sie auch andere Kanäle, um Ihre Kollegen zu erreichen. Beschreiben Sie Ihre Wahlthemen ausführlicher in einem Newsletter, im Intranet oder als Aushang am schwarzen Brett. Geben Sie gemeinsam mit den anderen Kandidaten auf Ihrer Liste eine kleine Broschüre aus. Nutzen Sie eine Betriebsversammlung, um sich persönlich vorzustellen.

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Wahlauftritt sorgfältig planen

Wenn Sie die Gelegenheit haben, auf einer Betriebsversammlung aufzutreten, bereiten Sie Ihre Rede gut vor. Stellen Sie sich zunächst den Kollegen kurz vor und gehen Sie dann direkt auf Ihr Wahlprogramm ein. Versuchen Sie es z. B. mit der 30-Sekunden-Regel, dem sogenannten „Elevator-Pitch“ (auf deutsch in etwa „Aufzugspräsentation“): Hier geht es darum, Ihre Vision knapp und prägnant darzustellen und gut zu verkaufen. Stellen Sie sich vor, Sie fahren gemeinsam mit einem Kollegen im Aufzug und wollen ihn in dieser Zeit davon überzeugen, Sie zu wählen. Was hat die Belegschaft davon, wenn sie Ihre Liste wählt – diese Frage sollten Sie im Kopf haben und beantworten.

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Netzwerken nicht vergessen

Jeden Tag arbeiten Sie mit Kollegen zusammen, verbringen eine gemeinsame Mittags- oder Kaffeepause. Auch diese Zeit können Sie nutzen, um auf Ihre Kandidatur aufmerksam zu machen und Unterstützer zu finden.

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Konflikte in den eigenen Reihen konstruktiv lösen

Gerade bei einer Listenwahl kann es in den eigenen Reihen zu Konflikten kommen. In welcher Reihenfolge stehen die Kandidaten auf dem Wahlvorschlag? Das ist später entscheidend für die Chance auf einen Sitz im Gremium. Denn wer ganz oben auf der Liste steht, wird als erster berücksichtigt, wenn es darum geht, die gewonnenen Sitze im Betriebsrat auf konkrete Personen zu verteilen. Deshalb ist es wichtig, sich hier von vornherein über die Reihenfolge auf der Liste einig zu werden. 

Auch bei der Themenwahl kann es zu Streitigkeiten kommen. Wenn es hier unter den Kandidaten Ihrer Liste große Unterschiede gibt, überlegen Sie sich, ob es Sinn macht, auf einer separaten Liste zu kandidieren. Denn wenn Sie sich schon untereinander nicht einig sind, wird es schwierig werden, potenzielle Wähler von Ihrem Programm als zukünftiger Betriebsrat zu überzeugen.

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Die richtige Taktik: Minderheitengeschlecht und zeitliche Aspekte

Achten Sie bei der Zusammenstellung Ihrer Vorschlagsliste darauf, dass genügend Kandidaten des Minderheitengeschlechts vertreten sind. Denn das Geschlecht, das im Betrieb in der Minderheit ist, muss im Betriebsrat entsprechend seinem zahlenmäßigen Verhältnis vertreten sein. Wenn nun eine Vorschlagsliste zwar viele Stimmen erhält, aber nicht ausreichend Angehörige des Minderheitengeschlechts auf dieser Liste sind, dann muss die Liste ggf. einige der gewonnenen Sitze wieder hergeben.

Eine weitere Taktik besteht im richtigen Timing. Bei unliebsamen Konkurrenz-Vorschlägen oder auch bei „Newcomern“ wird gelegentlich Druck ausgeübt, einen solchen Vorschlag gar nicht erst einzureichen, bzw. nachträglich wieder zurückzunehmen. Dabei sollen Bewerber manchmal vollständig abgeschreckt werden; manchmal geht der Druck auch nur in die Richtung, keinen eigenen Wahlvorschlag einzureichen, sondern sich auf eine „gemeinsame“ Liste setzen zu lassen. So soll eine Personenwahl ermöglicht werden. Jedenfalls kann es viele Gründe geben, warum Kandidaten ihre Bewerbung möglichst lange geheim halten wollen. Um sich einem möglichen Druck nur kurz auszusetzen, reichen Sie dann Ihren Vorschlag so spät wie möglich ein – aber immer noch rechtzeitig genug, um – im Falle von Formfehlern – noch nachbessern zu können.

Hinweis:

Wenn andere Kandidaten Druck auf Sie ausüben, lassen Sie sich nicht einschüchtern. Wenn sich ein Kollege dadurch unlautere Vorteile verschaffen oder anderen schaden möchte, um dadurch das Wahlergebnis zu beeinflussen, dann liegt mitunter schon ein verbotener Eingriff in den Wahlablauf vor. 

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Ihre Wiederwahl als Betriebsrat

Wenn Sie sich als Betriebsrat zur Wiederwahl aufstellen lassen, haben Sie gegenüber Kollegen, die zum ersten Mal kandidieren, einen Vorteil: Sie haben bereits gezeigt, dass Sie Betriebsrat können! Ihre Arbeit im BR-Gremium ist Ihre beste Wahlwerbung. Achten Sie deswegen vor allem auch im letzten Amtsjahr auf eine gute Öffentlichkeitsarbeit. Machen Sie Ihre Erfolge im Betrieb bekannt. Informieren Sie die Belegschaft über laufende Projekte, auch wenn diese noch nicht zum Ziel geführt haben. So zeigen Sie den Kollegen Ihr Engagement! Sprechen Sie sich im Betriebsratsgremium rechtzeitig untereinander ab, um zu klären, wer kandidieren möchte und ob eine gemeinsame Liste in Frage kommt.

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